Woche 1: Akrobatik mit Erwachsenen

Meine erste „Arbeitswoche“ beim Waldoni umfasste genau zwei Tage: Donnerstag und Freitag. Dafür ging es Freitag schon richtig rund, da eine Cateringfirma ein firmeninternes Event veranstaltete, bei dem die Mitarbeiter in Kleingruppen verschiedene Zirkuskünste ausprobieren durften. Zur Verfügung standen Diabolo, Jonglage, Drahtseil, Trapez, Kugel und Akrobatik. Nach jeweils 25 Minuten wurden die Gruppen gewechselt, so dass am Ende jede Gruppe alle Zirkusdisziplinen durchliaufen hatte. Zum Abschluss gab es noch eine kleine Präsentation der Varietégruppe, welche recht spontan zusammengestellt wurde, aber ganz gut ankam.

Ich selber hatte bei den Schnupperworkshop die Akrobatikgruppe mitbetreut. Schon mal eine völlig andere Ausgangssituation als eine Kinderzirkusgruppe. Zwar hatte ich schon davor Workshops mit Erwachsenen angeleitet, jedoch immer nur auf Jonglier/Akrobatiktreffen, wo man ja eine völlig andere Zielgruppe vorfindet. Es fing schon bei einer vermeintlich einfachen Sache an: Duzen oder Siezen? Normalerweise ist das einfachste, sich artistischen Kontexten zu duzen, wenn sich jedoch einige Gruppenmitglieder untereinander konsequent siezen, fällt das mitunter ziemlich schwer.

Die Teilnehmer stehen evtl. in einem distanzierten Verhältnis zueinander/ besonders Hierarchie Chef-Mitarbeiter. Dementsprechend schwer fallen Übungen, die eine körperliche Annäherung der Gruppenmitglieder untereinander verlangen (gerade bei Akrobatik). Eine weitere Hürde sind körperliche Aspekte. Natürlich kann man keine artistischen Vorkenntnisse erwarten, man muss tendenziell eher damit rechnen, eher unsportliche Menschen in der Gruppe zu haben, teillweise mit Rücken/Knieprobleme, was viele Akrobatische Übungen so nicht durchführbar macht. Ein letzter, aber ganz entscheidender Punkt ist die Motivation. Währende ein Akrobatiktreffen eine Freizeitveranstaltung ist, und damit die Teilnahme an einem Workshop der Entscheidung des einzelnen unterliegt findet man hier höchstmotivierte Teilnehmer vor. Bei einem Workshop im Rahmen einer Pflichtveranstaltung, noch dazu im Kontext „Arbeitstelle“ kann gerade die Akrobatik von den Mitarbeitern als zu anstrengend oder unangenehm empfunden werden. In diesem Fall ist es wohl besser, die Teilnehmer zwar einzuladen, an den Übungen teilzunehmen, welche sie mitmachen können/wollen, jedoch niemanden zu zwingen.

Letztendlich waren die Gruppen sehr unterschiedlich. Mit unserer ersten Gruppe sind wir schon nach kurzer Zeit aufs Tellerdrehen ausgewichen, weil viele Rücken- oder Knieprobleme hatten, andere wiederum hatten großen Spass am Pyramidenbauen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Tagebuch, Zirkuspädagogik abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s