Woche 9 – Die längsten zwei Stunden meines Lebens

Am Freitag von Woche 9 (also letzte Woche, ich bin mal wieder verdammt spät dran mit schreiben) hatten wir einen Auftrag, 6 Filialen einer bekannten Bank für den Weltspartag mit Walking Acts zu bestücken. Für mich war das das „erste Mal“ und dann auch noch gleich alleine. Eine Erfahrung, die ich, mit allem was ich dabei gelernt habe, mit euch teilen möchte. Ich war übrigens als Stelzenläufer mit Keulen unterwegs. Nicht, dass das jetzt irgentwie wichtig wäre, aber ich wollte es mal erwähnt haben.

Ein Walkact (auch Walk Act oder Walking Act) ist eine besondere Form des Theaterspiels, bei der Schauspieler und Publikum nicht durch die Bühnenrampe getrennt sind, sondern sich gemeinsam in einem Raum oder zumindest auf einer Ebene befinden. Die Darsteller unterscheiden sich zum Teil nur durch Maske und Kostüm von den Zuschauern, zum Teil agieren sie auch ohne Verkleidung. Ein wichtiges Element ist der häufige und spontane Standortwechsel, der dieser Darstellungsform den Namen gibt. Walkacts kommen besonders häufig beim Straßen– und Improvisationstheater vor. Die Übergänge zu Pantomime, Comedy und Artistik sind fließend. Verbreitet sind Walk-Acts auch zu Werbezwecken, wobei die Künstler einfach Publikum an den Stand des Werbetreibenden locken, selbst Werbezettel verteilen oder mit ihrer Kostümierung werben (Firmenlogos, Werbespots etc).

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Walkact

Top 5 Überlebensregeln für Walking Acts:

1. Dickes Fell und eine große Portion Selbstbewusstsein mitbringen.

„Machen Sie das Hauptberuflich? Ich meine…verdienen sie damit Ihren Lebensunterhalt?“

Es gehört schon eine Portion Selbstbewusstsein dazu, sich irgendwo auf die Strasse/auf eine Veranstaltung/in eine Sparkassenfiliale zu stellen in einem Kostüm und mit jeder Menge Jonglierquatsch. Vielleicht ist das sichere Auftreten bei Walking Acts sogar wichtiger als das artististische Können. Man wird komisch angeschaut. Wegen des Kostüms, der Requisiten und dem was man tut. Du hast was buntes an und du jonglierst/spielst Diabolo/…? Dann bist du ein Clown. Man sollte sich darauf einstellen nicht nur bewundert, sondern im schlimmsten Fall auch ignoriert, belächelt, bemitleidet und abschätzig betrachtet zu werden. Kleiner Tip: Überlegt euch eine kreative Antwort auf die (mitleidig gemeinte) Frage, ob ihr euch „damit“ euren Lebensunterhalt verdient 😉 Ansonsten: Labern Labern Labern. Ach ja, das gilt natürlich nicht, wenn ihr einen Pantomimen spielt. Musste ich das jetzt wirklich schreiben?

2. Mehr ist mehr.

„Mami, schau mal, ein Clown!“

Sowohl beim Kostüm, als auch bei den Requisiten gilt: Mehr ist mehr. Wer sich zu schlicht kleidet, riskiert, unterzugehen. Am besten ein auffälliges Kostüm tragen, in dem man sich dennoch wohl fühlt (siehe dazu Punkt 1) und so viele Requisiten wie nur möglich anschleppen. Natürlich nur solche, die man auch beherrscht. Es ist nichts verkehrtes daran, ein Diabolo mitzubringen, obwohl man nur 2-3 Tricks beherrscht. Die herumliegenden Requisiten wirken wie Blickmagnete für die Passanten, sie signalisieren: Hier passiert etwas. Außerdem ist es ganz angenehm, nicht über den ganzen Zeitraum das gleiche machen zu müssen. Die „Mehr ist mehr“-Regel gilt übrigens auch für die Anzahl der beteiligten Personen: Je mehr Publikum um so lustiger wird es.

3. Spontan sein.

„Wie ist die Luft dort oben?“

Klingt erstmal einfach und naheliegend, ist aber tatsächlich einer der wichtigsten Punkte. Wer Walking Acts macht, interagiert, anders als bei einem Auftritt mit einer klar abgegrenzten Manege/Bühne sehr stark mit seinem Publikum. Hilfreich ist es, schlagfertig zu sein, immer einen dummen Spruch im Reportoie und ein Lächeln auf den Lippen zu haben. Es ist auch nicht schlimm, wenn sich Sprüche wiederholen, denn das Publikum wechselt ja stetig. Ein Stelzenläufer sollte beispielsweise auf die Fragen „Wie ist die Luft da oben“ und „Warum bist du so groß?“ gefasst sein. Ob nun Fruchtzwerge, Spinat oder die Affäre der Mutter mit dem Riesen….wer sich schon vorher eine Story überlegt hat, kann diese dann nach bedarf spontan noch ausschmücken und verheddert sich dabei nicht in Widersprüche.

Darüber hinaus kann man auf so ziemlich alles reagieren, was vom Publikum kommt. Ohne die 4.-Wand-Barriere kann es schonmal sein, dass ein Kind bei der 3-Ball-Jonglage losquakt „wääähhh kann ich auch“ oder ein Zuschauer, der ebenfalls jonglieren kann einem die Bälle abnimmt und selbst damit jongliert. Das ist allerdings beides kein Störfaktor, sondern eine perfekte Chance, die Zuschauer einzubinden und vielleicht einen kleinen mitmachzirkus zu initieren.

4. Teamwork gets the job done

Zusammen sind Walking Acts um einiges entspannter und lustiger. Hab ich mir sagen lassen. Klingt auch plausibel. Hat man grade kein Publikum, kann man trotzdem mit seinem Partner interagieren, Bälle passen etc. Dazu schreib ich auf jeden Fall mehr, wenn ich da mehr Erfahrungen gesammelt habe.

5. Spass haben!

Wenn ich Spass habe, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mein Publikum Spass hat. Darum geht es bei Walking Acts, ich betone es nochmal: Nicht, dass ihr eine wahnsinnige Show mit nie dagewesenen Tricks abziehen müsst (klassisches Beispiel Diabolo: billiges Hochwerfen erzielt mehr Applaus als komplizierte Wickeltricks), keep it simple and a smile on your face enjoy the show, das Ziel ist es, die Leute zu unterhalten.

In diesem Sinne…ich hoffe mal der nächste Walking Act wird besser.

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